Dienstag, 12.04.2011 von Manfred Beck
Spieletests
Simulationen
Im Weltraum: "Black Prophecy"
Gratis-Action im Weltraum? Sucht nicht weiter. Ein Bildfeuerwerk trifft auf ein gigantisches Universum, und wenn ihr „Freelancer“ gemocht habt, werdet ihr „Black Prophecy“ lieben. Wir haben uns für euch in die Welt der Tyi und Geniden begeben. Lest unser Review!
Story Die Welt in „Black Prophecy“ handelt von den Tyi und den Geniden. Die erstere Rasse ist kybernetisch verbessert worden, will heißen, hier wurde die Technik zu einer einzigen Machtdemonstration im Bereich der Augmentation (ähnlich wie in „Deus Ex: Human Revolution“). Ihnen gegenüber stehen die Geniden, welche biogenetisch perfektioniert wurden, das heißt, ihre Macht resultiert aus jahrelanger Genmanipulation und -optimierung der menschlichen DNA. Beide Gruppierungen sind verfeindet, da sie die Herrscher ihrer jeweiligen Kolonien sind, und in ihrer Machtgier invasieren sie ein Stück des Gebiets der „Restauratoren“, einer uralten, außerirdischen Rasse, welche andere Zivilisationen nicht duldet. Zwar sollten diese Restauratoren vor Urzeiten einmal ausgemerzt sein sollen, doch es scheint, als hätte die furchteinflößende Nation zu alter Stärke zurückgefunden. Der Krieg entbrennt, und es gilt, den Ursprung und die Beweggründe der Restauratoren herauszufinden! In diesem 3D-Echtzeitkampf-Weltraum-MMO spielt ihr euren eigenen Weg durch das Game. Die missionsbasierte Story lässt euch den nötigen Freiraum, je nachdem, wie schnell ihr euch durch die Geschichte hanteln wollt oder nicht. Bevor wir aber noch mehr ins Detail gehen, haben wir hier einen Trailer für euch!
Gameplay Nachdem ihr euren Avatar erschaffen habt, wartet ein großzügig angelegtes Tutorial auf euch. Durch einige Zwischensequenzen, News-Flashs und einem Kommandanten, der mit euch kommuniziert (sieht fast aus wie „Mass Effect“, wow!), werdet ihr in aller Kürze mit den Gepflogenheiten im Spiel vertraut gemacht. In eurer Einführung sitzt ihr in einem Gefechtsturm eines riesigen Kolonie-Schiffes, und die erste Aufgabe ist, ein ebenso großes Schlachtschiff zu zerstören. Ihr schafft das auch mit Hilfe Ihrer Kollegen spielend, und danach wird euch ein Platz als Flügelmann eines Kommandanten angeboten. Ihr nehmt dankend an und haben somit fortan euren eigenen Gleiter. Neben einem anspruchsvollen Handwerkssystem, mit dem nahezu alle Gegenstände im Spiel hergestellt werden kann, spielen darüber hinaus Spielerkämpfe eine große Rolle: Nicht nur aus Spaß, sondern sogar Teil mehrerer Missionen zwischen den Tyi und den Geniden. Auch das Skill-System ist immer wichtig, in diesem Ableger ist dieses Levelsystem an Rollenspiele angelehnt. Das heißt also, ihr erhaltet für bestimmte Aktionen und Handlungen Erfahrungspunkte, steigen Level auf, und pro Stufe erhaltet ihr eine bestimmte Anzahl an Punkten, die ihr für Zugang zu besseren Gegenständen einsetzen dürfen.
Ein umfassendes Clan-System mit Stationen und Gefechten rundet das Wirtschaftssystem, welches sich um Ressourcen dreht, gelungen ab. Während die einzelnen Reisezeiten wie schon in „Freelancer“ sich teils mächtig ziehen und an der Motivation zehren, wissen die Unmengen an Details durchaus zu gefallen, so wechseln sich etwa Anzeigen auf Bildschirmen durch, ganz wie in dem Film WALL•E wurde hier auf keine Kleinigkeit vergessen. Beispielsweise fliegt ihr an einem großen Schiff vorbei, welches Zivilisten an Bord hat, und auf der Innenseite des großen Bildschirms am Heck des Frachters seht ihr eine Werbeeinschaltung. Kaum bricht ein Kampf aus, wird die Werbung weggeschalten und die Anzeige bittet die Leute, in ihr Zimmer zurückzugehen. Dies fügt Unmengen an Glaubwürdigkeit und Atmosphäre hinzu! Die Explosionen sehen fabelhaft aus, diese werdet ihr wohl öfter sehen, und auch auf der hörbaren Seite der Technik wurde nicht gespart. Vor allem riesige Schiffe gehen sowohl optisch als auch akustisch beeindruckend in die Knie! Sehr gut gefällt der Druck auf das Mausrad, welches euch alle Ziele anklickbar darstellt, ansonsten ist die Maus zum Lenken da, durch Scrollen bestimmt ihr die maximale Geschwindigkeit des Gleiters. Ein paar Fehler trüben den Spielspaß noch (Aufgaben werden nicht ständig angezeigt, euch wird keine Quick-Info zu Belohnungen angegeben), aber dies ist nur noch eine Frage der Zeit.
Grafik und Sound Gleich vorweg: Ich habe schon einige Gratis-Online-Spiele gespielt, aber „Black Prophecy“ hat mich definitiv umgeworfen. Die Vergleiche zu einem „Mass Effect“, wenn es um die Gesichtermodelle geht, einem „Freelancer“, wenn es um die Raumschiffe geht und einem EA-Titel wie „NHL 11“ oder „Fight Night Champion“, wenn es um die Stimmung geht, sind keineswegs aus der Luft gegriffen. Binnen Sekunden seid ihr in dem Universum von „Black Prophecy“ gefangen, und ihr werdet nicht mehr raus wollen. Dafür sorgen die klug getimten Videoschnipsel, die euch als Newsflash oder auch als Video zwischendrin begleiten. Auch das Gameplay selbst kann optisch vollends überzeugen, da sich durch die Individualisierungsmöglichkeiten kein Schiff dem anderen gleicht und ihr sowieso meist mit Vollgas durch die Asteroidenschweife rasen werdet. Adrenalinspiegel ahoi - hier haben wir einen Gameplay-Trailer für euch:
Natürlich darf bei einem solchen Game auch der akustische Effekt nicht zu kurz kommen, und wenn ihr den neuesten „Star Trek“-Film gesehen haben solltet, fällt euch auch ein Vergleich zu „Black Prophecy“ nicht schwer. Von links nach rechts und umgekehrt schwirren die kleinen Gleiter um Ihre Position, größere Geschütze geben einen befriedigend satten Sound bei der Explosion des Ziels ab, und im Prinzip könntet ihr Stunden damit verbringen, Feinde vom Himmel zu holen. Auch die Sprachausgabe ist durchwegs klasse gelungen, und die Frage ist, wie nah kommt dieser Klang der Realität? Langweiler könnten nun einwerfen, dass im Weltraum sowieso kein Sound möglich ist, doch dies wäre einer Stimmungskanone wie diesem Spiel wahrlich nicht zuträglich. Die Abwechslung geht akustisch mit der Zeit etwas flöten, doch ansonsten scheint Reakktor Media mit gamigo alles richtig gemacht zu haben.
Steuerung Wie vorhin schon mal eingeflossen ist, steuert ihr die Geschicke des Gleiters mit der Maus, und dies funktioniert sehr intuitiv. Während ihr nämlich mit dem Scrollen des Mausrads auf dem Screen einen kleinen Balken verschiebt, zeigt euch dieser, wie viel Gas gerade gegeben wird. Klickt ihr auf das Mausrad, werden alle Ziele mit einem Rahmen versehen, und ihr könnt einfach in den Rahmen klicken, das lästige Herumsuchen und genaue Zielen entfällt. (Könnte diese Implementierung auf eine Touch-Version für iOS und Android hindeuten? Wenn das mal nicht zu weit hergeholt ist...) Noch sind kleinere Bugs vorhanden, wie zum Beispiel der fehlende Quick-Tipp bei der Auswahl zwischen mehreren Belohnungen. Unbedarfte wissen also nicht, was die verschiedenen Icons bedeuten sollen, und aufs Gerate wohl wird dann eine Belohnung angenommen, die man vorher nicht erkannt hat und möglicherweise auch gar nicht brauchen kann. Hier wird aber bestimmt noch nachgebessert, denn erste Bugfixes waren schnell verfügbar. Es gab zwar zwischenzeitlich Ausrufe aus der Community, die meinte, in der Open Beta waren einige Dinge besser gelöst, doch dies dürften wohl nur subjektive Meinungen gewesen sein. In unserem Test gab es keinerlei Loginprobleme, Abstürze oder gar defekte Quest-Aufgaben, die nicht lösbar sind, insofern kann ich diese Beschwerden nicht nachvollziehen.
Multiplayer Natürlich besteht auch in „Black Prophecy“ die Möglichkeit, mit einem eigenen Squadron auf die Jagd zu gehen. Alles, was ihr dazu benötigt, ist ein Bataillon an Freunden, mit denen ihr euch verbünden und die Aufgaben in Angriff nehmen könnt! Danach gibt es verschiedenste Optionen: Nach dem Prolog, der euch in seiner Gesamtheit schon mal an die zehn Stunden lang beschäftigen kann, gibt es nämlich offene Spieler-versus-Spieler-Areale, Instanzen wie aus anderen MMOs auch üblich, Gruppen-Aufgaben für euren kleinen Squad, oder auch organisiertes PvP. Ihr seht also, es wurde auf nichts vergessen, und so kommen wir zum nächsten Punkt, nämlich der...
Atmosphäre Vom Start weg bietet euch „Black Prophecy“ ein einmaliges Erlebnis, und wenn ihr nach einem würdigen Nachfolger für „Freelancer“, „Wing Commander“ und dergleichen gesucht haben solltet, ist dieses Spiel auf jeden Fall einen Blick wert! Der kluge Mix zwischen eingeblendeten Videos, der Geschichte im Hintergrund, die Vorstellung beider Fraktionen (ihr startet ja als normaler Mensch, bevor ihr euch entscheidet, welcher Gruppierung ihr euch anschließt) und dem atemberaubenden Gameplay macht es tatsächlich nicht einfach, den Computer so schnell wieder zu verlassen. Hier noch ein letztes Video für euch, der Launch-Trailer zum Spiel:
Unsere Wertung
Spielspaß
4
4.0
Spieltiefe
5
5.0
Präsentation
5
5.0
Support
3
3.0
Community
4
4.0
Gesamt
4.2
4.2
Fazit
Zusammenfassung Ich kann mich nur wiederholen: Wenn ihr „Freelancer“, „Wing Commander“, „X-Wing vs. TIE Fighter“ und dergleichen gemocht habt, solltet ihr „Black Prophecy“ ohne zu zögern ausprobieren. Die hervorragende Aufmachung, die geniale Optik sowie der massive Umfang machen es zu einem Must-have-Titel, und die lange Wartezeit hat sich definitiv gewohnt. Dieses Spiel macht sicherlich seinen Weg, da es Maßstäbe in mehreren Bereichen setzt: Grafik, Atmosphäre und Spielspaß. Tyi oder Geniden? Entscheidet selbst!
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